Eröffnung des italienischen Honorarkonsulats im KÖNIGSHAUS

Eröffnung mit Botschafter und konsulen

Zur Geschichte des Ortes

Mitten im Herzen unserer Stadt stehend, ist das Haus, in welchem wir heute feiern, eines der historischen Gebäude Leipzigs, welche uns interessante Geschichten zu erzählen haben. Kurz möchte ich Ihnen von dieser berichten:   Dass an der Südseite des Leipziger Marktes befindliche Bürgerhaus Nr. 17 trägt seit 1904 offiziell den Namen „KÖNIGSHAUS“, der wohl bereits etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts im allgemeinen Sprachgebrauch eingeführt war. Es ist heute das letzte der prachtvollen Barockbauten, die sich einst um den Leipziger Markt gruppierten. Bebaut mit Wohngebäuden ist das Grundstück seit dem Mittelalter und bereits seit 1481 sind die Namen der jeweiligen Besitzer bekannt, die es wiederholt umbauen ließen. Ein solcher Um- vielleicht sogar Neubau fand in der Mitte des 16. Jahrhunderts statt. Von diesem Renaissancegebäude hat sich bis heute im Inneren die gewundene Treppe, ein sogenannter Wendelstein erhalten.

Im Jahr 1694 erwarb Dr. Gottfried Welsch das Gebäude für 20.000 Taler und ließ es für seine Bedürfnisse einrichten. Der Mediziner, welcher auch an der Universität lehrte, gehörte zu den herausragenden Mitgliedern der Universität im 17. Jahrhundert. Er wirkte in Leipzig auch als Stadtphysikus und setzte als solcher die Stadtreinigung und ein Verbot der Schweinehaltung innerhalb der Stadtmauern durch, ebenso ein Apothekenmonopol durch Verbot des Verkaufs von Medikamenten durch fliegende Händler. Außerdem stellte er Preislisten für Medikamente auf. Wissenschaftlich und medizinhistorisch ist Welsch zudem bedeutsam als einer der Begründer der Rechtsmedizin in Deutschland.

Zurück zum Königshaus. Hier unterhielt der Leipziger Rat mietweise Quartiere für die Kurfürsten und hohe Gäste der Stadt. Um einige zu nennen: 1672 heiratete hier Herzog Johann Georg der IV. die Markgräfin von Ansbach und 1699 der Erbprinz Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth die Prinzessin Sophia von Sachsen-Weißenfels. Es wohnte 1698 auch Zar Peter der I. von Russland auf der Rückreise von Holland über Halle und Leipzig hier. Die Legende will wissen, dass zu diesem Anlass – für die Toaste der kaiserlichen Tafel – Kanonen von der Pleißenburg zum Markt gebracht und dort abgeschossen wurden.

1704 erwarb der Handelsherr und Fabrikant Andreas Dietrich Apel von den Erben Welsch´s das Haus für den Preis von 36.800 Talern. Er unterhielt eine große Manufaktur zur Herstellung von Seidengeweben, Brokat- und Atlasstoffen, Tapeten sowie Gold- und Silbergewirke. Die Produkte standen in Konkurrenz zu solchen vor allem aus Frankreich und waren u. a für den Dresdner Hof bestimmt. In Leipzig ließ der Fabrikant auf seinem Grundstück durch den sächsischen Landbaumeister David Schatz den seinerzeit in ganz Europa berühmten fächerförmigen Apelschen Garten anlegen.

Auch veranlasste er den grundlegenden Umbau des Hauses am Markt durch den sächsischen Hofbaumeister Johann Gregor Fuchs. Das nunmehr Apelsche Haus erhielt einen in Leipzig neuartigen dreigeschossigen Erker in der Mittelachse, der auf einer Muschel ruht und mit einem Balkon in der vierten Etage endet. Im Erdgeschoß gewann es einen doppelten Durchgang zu den Hintergebäuden. Ein Kupferstich des Hauses aus dieser Zeit trägt die Bezeichnung „Das Apelische Haus, Worinnen Ihre Königl. Majestät Zu Logiren Pflegen.“

Tatsächlich bestand ab 1706 ein Mietvertrag zwischen dem Kurfürst König August dem Starken und der Stadt und zwar für das gesamte Haus wie die beiden Hintergebäude für eine Jahresmiete von 2.000 Talern. Schon 1706 zeigten sich auf dem Balkon August der Starke und König Karl XII. von Schweden anlässlich des Friedensschlusses von Altranstädt huldvoll der Menge auf dem Markt. Für die Königin wurden Gemächer im Haus rechts nebenan angemietet. Diese waren – natürlich – mit einer Tür zu Apels Haus verbunden.

1711 verlangte der König, Apels Haus und das Rathaus durch eine Brücke zu verbinden, so dass er den Markt bei Besuchen im Rathaus nicht betreten musste. Tatsächlich wurde bei besonderen Gelegenheiten bereits im 17. Jahrhundert eine hölzerne Brücke errichtet und zwar so breit, dass links und rechts Soldaten präsentieren konnten, ohne die Passage einzuschränken.

In Apels Haus feierte der König auch Geburtstage, so 1714 und 1727. Während des Siebenjährigen Krieges zwischen Preußen und Sachsen nahm Friedrich der II., König von Preußen hier zweimal Quartier, 1757 und 1760. Am 18. September 1760 ließ er durch einen Pagen den Leipziger Professor der Dichtkunst und Beredsamkeit Christian Fürchtegott Gellert zu sich befehlen. Das durch Gellert überlieferte Gespräch hatte die deutsche Sprache und Dichtkunst zum Inhalt, die Friedrich II. verabscheute, da ihr Anmut fehle. Friedrich sagte, er schätze zwar Gellerts Werke, ihm fehle aber Weltläufigkeit. Dann kam auch die politische Situation ins Gespräch und Gellert erinnerte dazu:

Der König: Sind itzt böse Zeiten?
Ich: Das werden Majestät besser bestimmen können, als ich. Ich wünsche ruhige Zeiten. Geben Sie uns nur Frieden, Sire.
Der König: Kann ich denn, wenn Dreye gegen Einen sind?
Ich: Das weis ich nicht zu beantworten. Wenn ich König wäre, so hätten die Deutschen bald Frieden.

Im Vorfeld der Befreiungskriege logierte im Jahr 1809 Jérôme Bonaparte, Bruder des französischen Kaisers Napoléon Bonaparte, im Gebäude. Während der Völker-schlacht 1813 übernachtete auch Friedrich August I. samt Familie hier. Napoléon besuchte ihn nach verlorener Schlacht am 19. Oktober 1813 im Königshaus. Im Erker des ersten Geschosses verabschiedete sich der französische Kaiser von ihnen vor seiner Abreise, der tatsächlichen Flucht nach Fontainebleau. Friedrich August I. wurde noch am gleichen Tag vor Ort verhaftet. Später residierte hier der Generalgouverneur von Sachsen, Fürst Repnin-Wolkowski. 1820 nahm schließlich Fürst Karl Philipp von Schwarzenberg, der Oberkommandierende der verbündeten Truppen während der Völkerschlacht, Quartier, als er noch einmal die Orte der großen Schlacht sehen wollte und verstarb am 15. Oktober im Königshaus. Sieben Jahre später erlag die Ehefrau des sächsischen Königs Anton, Maria Theresia von Österreich, ebenfalls hier im Hause einer Krankheit. Viel Wohl und Wehe – eben auch kaiser- und königliches – passte unter dieses Dach. Das Mietverhältnis mit dem Rat der Stadt Leipzig für das Königshaus wurde 1827 durch eben jenen König Anton von Sachsen gekündigt.

Neben der politischen gibt es auch eine kulturelle Geschichte des Hauses, hier sei nur ganz kurz erwähnt: Über die beiden Seitengebäude im Hof lag brückenartig ein Saal, der zu Konzertzwecken genutzt wurde. In diesem musizierte die „Musikübende Gesellschaft“ unter Leitung von Johann Adam Hiller bis sie 1781 von hier in den neuen Saal im „Gewandhaus“ umzog. Von 1906 bis 1913 existierte mit dem „American Theater“ auch ein Kino. Während des I. Weltkrieges wurde das historische Objekt zum modernen Messehaus umgebaut und verlor dabei leider vieles von seinem historischen Charakter. 1932 wurde dann an Stelle der Hintergebäude eine der nobelsten Leipziger Passagen errichtet, die Königshauspassage, welche heute noch die Verbindung zwischen Markt, Petersstraße, Mädler- und Messehofpassage bildet.

Wir feiern also in einem Gebäude, welches wahrlich viel zu erzählen hat. Mit der Eröffnung des italienischen Honorarkonsulats wird der Geschichte ein neues Kapitel hinzugefügt. Ich möchte dem in seinen Grundmauern über 500 Jahre altem Haus nun für die Zukunft Gellerts friedvolle Zeiten wünschen, natürlich ebenso seinen Mieterinnen und Mietern, wie auch den Besucherinnen und Besuchern.

©Christine Dorothea Hölzig